| Böse böse Wolke |
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| Montag, den 19. April 2010 um 21:25 Uhr | ||||
Nein, entgegen dem allgemeinen Trend geht es diesmal nicht um den isländischen Feuerspucker mit dem unaussprechlichen Namen "Eyjafjallajökull". Aber zum einen soll man ja auch Trends nicht folgen, sondern sie machen, und zum anderen passieren ja neben dem Chaos im Luftverkehr tatsächlich auch noch woanders interessante Dinge. Um eine Wolke geht es - Überraschung! - aber trotzdem. Genauer gesagt um das sogenannte "Rechnen in der Wolke", auch "Cloud Computing" (und warum es einen genauso doof dastehen lassen kann). Cloud Computing? Klingt nebulös...Ist derzeit aber groß im kommen. Cloud Computing bedeutet nichts anderes, als dass man Rechenleistung oder Programme nutzt, die sich im Netz befinden. Früher, in der guten alten Zeit (als man beim Einwählen ins Internet über Modem noch die Telefonleitung blockiert hat), liefen alle Programme auf dem eigenen Computer. Dort hat man sie mühselig von dreißig Disketten installiert, und dort haben sie wertvollen Speicherplatz auf der ohnehin bis zum Bersten gefüllten Festplatte belegt. Genauso die Daten, Dokumente, Fotos, Pornos, äh... Alles schön zentral. Die Wolke betritt die Bühne: Warum soll in der großen multinationalen Firma jeder auf seinem eigenen Rechner ein eigenes Office installiert haben? Ist doch teuer! Die neue Idee besteht also darin, die Software zentral bereit zu stellen. Wenn also der Mitarbeiter ein Dokument schreiben möchte, startet er die Textverarbeitungssoftware nicht mehr auf seinem eigenen Rechner, sondern auf einem Server, der irgendwo im Firmennetz platziert ist. Und das Textdokument? Wird auch nicht mehr auf dem eigenen Rechner gespeichert, sondern zentral im Netzwerk. Nebenbei bemerkt: Neben dem Cloud Computing gibt es noch das sogenannte Grid Computing. Hier teilen sich mehrere Computer gemeinsam die Prozessorressourcen, es gibt aber keine zentrale Steuerung. Und dann haben wir noch Peer-to-Peer-Netzwerke. Hierbei wird die Prozessorlast eines rechenaufwändigen Prozess auf mehrere in einem Netzwerk verbundene Rechner verteilt, allerdings auch ohne eine zentrale Steuerung.
Wie, meine Daten sind nicht auf meinem Rechner?
Dass das ganze Prinzip aber auch Tücken hat, mussten Levi Beers und Chris de Diego kürzlich in den USA feststellen. (Aufgepasst, jetzt kommt der spannende Teil!) Auch diese beiden haben sich gedacht, "Mensch, ich dreh einfach ein krummes Ding, und alle Beweise sind im Netz, da kommt keiner drauf!" Tja, leider nicht. Levi und Chris wird vorgeworfen, massenweise Spam verschickt zu haben. (Massenweise Spam? Ist das eigentlich doppelt gemoppelt?) Um ihren Erfolg zu dokumentieren, erstellten sie sich Reports, Listen mit E-Mail-Adressen, sowie eine Tabelle mit 8000 E-Mail Konten bei Yahoo!, Hotmail und Gmail, die sie als Tarnung angelegt hatten, um sie zum Spam-Versand zu nutzen (das war in den allgemeinen Geschäftsbedingungen so wahrscheinlich nicht vorgesehen). Sehr geschäftstüchtig, die zwei. Alle diese Dateien speicherten sie bei Google Docs. Das ist eben so ein Cloud-basierter Dienst, bei dem man online Textdokumente, Tabellenkalkulation, etc. nutzen und die Daten speichern kann. Das Problem war nur, dass sich das FBI einen Durchsuchungsbefehl für das Benutzerkonto bei Google Docs besorgt hat und die Daten eingesammelt hat. Und das ging offenbar echt einfach. Stichwort Online-Durchsuchung?Fast. Seit einiger Zeit gibt es auch in Deutschland den Bundestrojaner. Das bedeutet, dass die Strafverfolgungsbehörden (schönes Wort, oder?) zum Zwecke der Terrorismusbekämpfung (und unter strengen Auflagen) auf den Computern von verdächtigen Personen heimlich Software installiert um deren Festplatten zu durchsuchen und den Datenverkehr mitzulesen. Diese Auflagen sind tatsächlich nicht so ohne, trotzdem wird im Internet heftig protestiert und diskutiert. Immerhin besteht die Befürchtung, dass man diesen Bundestrojaner irgendwann nicht mehr nur zu Terrorabwehr, sondern auch bei "normalen" Straftaten einsetzt und es zu unangemessenen Einschränkungen der Privatsphäre und des Datenschutzes kommt. Das witzige ist, dass deutlich weniger Leute gegen Cloud Computing protestieren. Es gibt zwar immer mal wieder einen Aufschrei, wenn Facebook seine Nutzungsbedingungen ändert, oder Google ein neues Feature startet. Aber die Probleme der Cloud scheinen nicht vielen bewusst zu sein. Denn hier geht es auch um die Kontrolle über die eigenen Daten. Klar, der eigene Rechner ist "sauber". Wenn sich jemand aus einem Internet-Café heraus bei Google Docs einloggt, kann auch der heimische Bundestrojaner nichts mitlesen. Doch trotzdem ist man dem Dienstanbieter sozusagen ausgeliefert. Das betrifft Dinge wie Datensicherung, Erreichbarkeit, Integrität - und eben auch den Zugriff von Dritten.
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Stimmt. Die Daten sind irgendwo in der Wolke, und hier offenbart sich ein entscheidender Punkt bei dieser ganzen Geschichte (und so langsam komme ich dahin, wo die Geschichte auch tatsächlich interessant wird): Selbst als Besitzer der Dokumente hat man beim Cloud Computing nicht mehr die volle Kontrolle darüber, denn der Betreiber der Wolke, der Dienstanbieter also, speichert sie irgendwo. Das ist natürlich schön, weil man von überall auf die Daten zugreifen kann. (Schluß mit "ich habe da was ganz tolles auf meinem Rechner, aber ich bin gerade nicht zu Hause"!) Und es ist auch (vermeintlich) sicher, weil die geliebte Ehefrau nicht mehr die ganzen schmuddeligen Filmchen auf der eigenen Festplatte finden kann - sie sind ja in der Wolke.